Macht Geld glücklich?

 

Viele Menschen würden vermutlich direkt einwerfen, dass es wichtigere Dinge gibt als Geld und man sich von Geld nicht alles kaufen kann. Dem würden andere entgegnen, dass Geld, als Mittel zum Zweck, sehrwohl glücklich machen kann und dazu beitragen kann, Träume wahr werden zu lassen. Beide Seiten haben Recht. Was heißt das jedoch für uns? Wo lässt sich eine Grenze ziehen und wieviel Geld brauche ich?

Auch die Wissenschaft hat sich schon intensiv mit diesem Thema beschäftigt und kam zu vielen erkenntnisreichen Ergebnissen.
So folgt aus dem Easterlin-Paradox, dass mehr Reichtum nicht automatisch zu einem höheren Glücksempfinden führt. Die Studien ergaben, dass Geld sehrwohl glücklicher macht, wenn wir am Existenzminimum liegen, es also darum geht die persönlichen Grundbedürfnisse zu stillen. Ab einer bestimmten Schwelle jedoch das Easterlin-Paradox einsetzt und diesen Trend stoppt.
Der Grund dafür ist ziemlich plausibel. Für Menschen, die nur wenig Geld besitzen, kann eine kaputte Spülmaschine schnell zu einem größeren Problem werden. Mehr Geld bedeutet für diese Menschen weniger Geldsorgen. Es erleichter das Leben und den Alltag und löst auf einfache Art und Weise, die ein oder anderen alltäglichen Probleme. Geld macht somit eindeutig glücklicher, wenn es darum geht die Grundbedürfnisse abzusichern und den eigenen Lebensstil, bis zu einem gewissen Grad, ausleben zu können.
Ab einem Haushaltseinkommen von 60.000 bis 80.000 € brutto setzt dann ein Gewöhnungseffekt ein. Das zusätzliche Einkommen darüber hinaus macht nur kurz glücklicher, es wird sich schnell an das neue Einkommen gewöhnt und das zusätzliche Glücksgefühl verwässert sich wieder. Dabei wurde jedoch nur das alltägliche Empfinden untersucht. Betrachtet man die allgemeine Lebenszufriedenheit, lässt sich auch hier eine Steigerung bei einem noch höheren Einkommen messen.
Daneben spielt auch das Einkommen im Vergleich zum sozialen Umfeld eine Rolle. Der Mensch neigt dazu, sich in vielen Dingen regelmäßig mit anderen zu vergleichen und fühlt sich besser, wenn er im Vergleich gut da steht. So sind Menschen über ein Einkommen von 80.000€ glücklicher, wenn das soziale Umfeld im Schnitt nur 60.000€ verdient, als über ein Einkommen von 100.000€, wenn das soziale Umfeld im Schnitt 120.000€ verdient.
Durch die hedonistische Anpassung, kann mehr Geld auch unglücklicher machen. Dies gilt besonders dann, wenn Menschen allein im Geld ihr Glück suchen. So gewöhnt sich der Mensch relativ schnell an stark positive, wie negative Lebensereignisse und kehrt zu seinem vorherigen Glückslevel zurück. Wir gewöhnen uns also an einen teuren Sportwagen oder regelmäßige Luxusreisen. Mit der Zeit werden diese Dinge normal, auf Dauer langweilig und wir verlieren die Freude daran. Der Nachteil: Unsere Ansprüche steigen immer weiter an und alles was uns früher Freude bereitet hat, tut es dann irgendwann nicht mehr, wir schaffen es nicht mal mehr, mit den einfachen Dingen glücklich zu sein.


Was heißt das für die Glücksmaximierung?


Zunächst einmal das Glück nicht alleine vom Geld abhängt, Geld jedoch auch nicht völlig egal ist.
Glücklicher macht dich Geld besonders bis zu dem Zeitpunkt, an dem du genug Geld hast, um gut davon zu leben. Wer darüber hinaus sein Glück einzig in noch mehr Geld sucht, wird eher das Gegenteil erreichen. Die persönliche Gesundheit und das soziale Netzwerk, aus Freunden und Familie, werden an dieser Stelle deutlich wichtiger. Du solltest also zusehen, dass du deine Zeit auch in deine sozialen Beziehungen und in deine Gesundheit investierst, bevor du deinen Fokus darauf setzt, noch mehr Geld zu verdienen. Erst wenn diese Aspekte alle im Einklang stehen, gibt dir auch ein noch höheres Einkommen etwas.
Eine große Rolle spielt dabei jedoch auch, wie erfüllend die Arbeit für dich ist und wie viel Spaß sie dir bereitet. Macht dir deine Arbeit keinen Spaß, ist es für dich umso entscheidender, ab dem Zeitpunkt, an dem das Geld gut zum Leben reicht, deine Zeit in Dinge zu investieren, die dich wirklich glücklich machen (beziehungsweise Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen, wenn du stattdessen eine Arbeit findest die dich erfüllt und dir Spaß bereitet).
Außerdem solltest du darauf achten, dein Glück nicht abhängig von anderen zu machen und dich nicht zu viel zu Vergleichen. Vergleiche machen in der Regel unglücklich, da wir uns meistens „nach oben“ vergleichen. Man wertet sich dadurch ab, wird unsicher und somit unzufrieden. Passend dazu der Spruch: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“.

Was heißt das für dich?

Auf der Einkommensseite solltest du so viel verdienen, dass du gut davon Leben kannst. Im besten Fall in einem Beruf, der dich erfüllt und dir Spaß bereitet. Darüber hinaus sollte dein Fokus auf anderen Aspekten liegen. Denn unabhängig vom Einkommen, gibt es viele Möglichkeiten am persönlichen Glück zu arbeiten: Du solltest mit dir selbst glücklich sein, den Moment genießen, Zeit mit Menschen verbringen, die dir wichtig sind und Dankbarkeit gegenüber den kleinen und so selbstverständlich wirkenden Dingen zeigen. Du solltest dir Bewusst machen, dass du die besten Dinge im Leben nicht für Geld bekommst und dein Glück vermehrt in Dingen suchen, die dich nachhaltig glücklich machen.
Setzt du diese Dinge um und hast einen Job für dich gefunden, der dein Leben bereichert, bringt dir dann am Ende auch ein noch höheres Einkommen einen Mehrwert, vermutlich jedoch auch erst dann.

Um ein stärkeres Bewusstsein dafür zu entwicklen, was einen wirklich glücklich macht, lohnt es sich auch einmal andere Menschen danach zu Fragen. Beispielsweise auch die eigenen Großeltern, die durch das Alter und die Lebenserfahrung oftmals eine andere Blickweise auf diese Frage einbringen können. Die Antwort meiner Oma, 97 Jahre alt, auf diese Frage: „Glück ist für mich, Dinge zu tun mit denen ich mich nützlich machen kann und meine Gaben, die ich habe, zu Nutzen“. Ich glaube das trifft es ziemlich gut und findet sich unter anderem auch in der Frage nach dem eigenen Warum wieder.